Projekte

Der Linsebühl-Bau – Ein Hauch von Grossstadt

Stadtführung

Der Linsebühl-Bau, 1930-1933 von Moritz Hauser erbaut, steht für eine umfangreiche Vorstadtsanierung, die städtisch unterstützt war und dem Automobilverkehr zugute kam. Der Gebäudekomplex ist von zwei Strassen erschlossen und umfasst bis heute einen Mix an Nutzungen, wodurch er eine kleine Stadt in der Stadt darstellt. Mit kubischen Formen, weissem Verputz, Flachdach sowie über Eck verlaufenden Fenstern verfügt er über einige stilistische Merkmale des Neuen Bauens. Der Rundgang um den Gebäudekomplex zeigt, wie sehr er das von Handwerksbetrieben geprägte Quartier veränderte. Der Linsebühl-Bau verlieh ihm einen Hauch moderner Grossstadt und ebnete dem City-Park (1956), zwei Zeilenbauten, den Weg.

Die Führung um den Linsebühl-Bau, das Herz der St.Galler Moderne, fand erstmals im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals 2020 statt.


Auftraggeber: Denkmalpflege Stadt St.Gallen (Europäische Tage des Denkmals)
Treffpunkt: Linsebühl-Bau, Lämmlisbrunnenstrasse 22
Samstag, 12. September, 11 Uhr, ca. 1 Stunde



Die Moderne im Kleinen

Eine sinnliche Architekturausstellung über die 1930er Jahre in St.Gallen
20. Juni – 18. Juli 2020

Die Ausstellung DIE MODERNE IM KLEINEN wandte sich vom 20. Juni – 18. Juli 2020 einer bislang wenig beleuchteten Zeit der St.Galler Architekturgeschichte zu: den 1930er Jahren. Sie markieren den Anfang moderner Architektur in St.Gallen. Das Neue Bauen mit seiner funktionalen Formensprache findet in die krisengeplagte Jugendstil-Stadt. Es entstehen zwar nur wenige neuen Bauten, doch sie prägen die Stadt bis heute. In der von Nina Keel initiierten Ausstellung wurden sie erstmals näher vorgestellt.

DIE MODERNE IM KLEINEN fand im Linsebühl-Bau statt, dem grössten Gebäudekomplex der 1930er Jahre in St.Gallen: Bespielt wurden mehrere Geschäftslokale und Dachkammern des Komplexes. Die Architekturausstellung thematisierte Gestalt und Funktion der Bauten. Zu sehen gab es Pläne, bauzeitliche und heutige Aufnahmen, Korrespondenz, Leitartikel sowie Referenzbauten aus Zürich, Stuttgart oder Tel Aviv.

 
Fünf zeitgenössische Kunstschaffende sowie zwei Avantgarde-Künstler brachten zudem weniger beachtete Aspekte des Neuen Bauens ans Licht: Die Intérieur-Aufnahmen von Siegrun Appelt zeigten sogenannt leere Blick auf die Architektur des Linsebühl-Baus. Zusammen mit dem Textildesigner Martin Leuthold hat Appelt Seiden-Foulards zum Gebäudekomplex geschaffen. Andrea Heller verwandelte das Geigenbauer-Atelier an der Linsebühlstrasse mit bunten Glasobjekten und einer grossflächigen Malerei in ein epochenübergreifendes Gesamtkunstwerk. Felix Bächli skatete durch die Schubertstrasse, vorbei an Häusern mit kubischen Formen. Nadine Kunz zeigte Fotomontagen von Gebäuden aus Tel Aviv in einem Lichtschacht. Ein Avantgarde-Film von Man Ray lief in einer Dachkammer. Schliesslich verlor man sich in einem kaleidoskopartigen Farb- und Formenspiel von 1935 des neuseeländischen Künstlers Len Lye. Für die Dauer der Ausstellung entstand so ein Gesamtkunstwerk, eine Zeitreise auf mehreren Ebenen im Linsebühl-Bau.

Zudem: Eine Musik-Kompilation von Marina Spörri, Architekturbücher aus dem Sitterwerk, Cocktails von Philipp Grob (Cocktails&Bitters), ein Parfum von Giovanni Sammarco, Möbel und Leuchten von Silvio Cazorzi (retrovare), Yoga mit Noemi Arn.


Vergangene Veranstaltungen:

Aus Anlass der Vernissage von DIE MODERNE IM KLEINEN zeigte stadtprojektionen den Kurzfilm 'Kaleidoscope' (1935) von Len Lye in der Nacht vom 20. Juni an der Ostfassade des Linsebühl-Baus, Lämmlisbrunnenstrasse 22. 

– Donnerstag, 25. Juni, 18.30-19.30 Uhr: Yoga auf der Dachterrasse des Linsebühl-Baus

– Freitag, 26. Juni, 12.30-13.00 Uhr: Kurze Mittagsführung durch die Ausstellung.

– Samstag, 27. Juni, 11 Uhr: Führung mit Marcel Just zu Bauten von Architekt Ernst Sommerlad an der Schubert- und Sonnenhaldenstrasse.  Treffpunkt Bushaltestelle Sonne (Linie 5, Richtung Rotmonten), Dauer ca. 1.5 h.

– Donnerstag, 2. Juli, 18.30-19.30 Uhr: Yoga im Linsebühl-Bau

– Sonntag, 5. Juli, 16 Uhr: Buchpräsentation 'Die Schweizer Avantgarde und das Bauhaus', gta Verlag (2019), mit Almut Grunewald und Gregory Grämiger.

Grunewald gab Einblicke in den produktiven Austausch von Sigfried Giedion, dem bedeutenden Zürcher Kunsthistoriker, mit Vertretern des Bauhauses. Grämiger machte eine generelle Einführung ins Thema Bauhaus und Schweiz und führte die Wirkung vom Schweizer Architekten und Bauhaus-Direktoren Hannes Meyer bis nach Tel Aviv aus. 

– Freitag, 10. Juli, 12.30-13.00 Uhr: Mittagsführung durch die Ausstellung.

– Samstag, 11. Juli, 15.00-15.30 Uhr: Führung durch die Ausstellung. Anschliessend gaben Rita Kappenthuler und Nathan Federer an der Hafnerstrasse 8 Einblicke in ihre Werkschau Erweiterte Nachbarschaften

– Samstag, 18. Juli, 10 Uhr: Yoga auf der Dachterrasse

– Samstag, 18. Juli, 14 Uhr: Führung durch die Ausstellung

– Dienstag, 15. September, 20 Uhr: Filmabend im Palace (Zwinglistrasse 3) mit Marcel Bächtiger. Der Hochparterre-Redaktor und Architekturhistoriker stellt Architekturfilme aus den 1930er Jahren vor, darunter BÂTIR (1930), ein Kurzfilm von Pierre Chenal in Zusammenarbeit mit Le Corbusier.


Ort: Linsebühl-Bau, Linsebühlstrasse 25, St.Gallen

Ausstellungsdaten: Samstag, 20. Juni – Samstag, 18. Juli 2020

Vernissage: Samstag, 20. Juni, 13-17 Uhr

Öffnungszeiten
Do: 15-20 Uhr
Fr: 12-17 Uhr
Sa und So: 13-17 Uhr

Eintritt: 5 Fr. (Kinder, Nicht- und Wenig-Erwerbende: kostenlos)


Für DIE MODERNE IM KLEINEN gilt ein Schutzkonzept (Details beim Eingang), das einen sicheren Ausstellungsbesuch ermöglicht. Es umfasst u.a. eine maximale Anzahl Besucher*innen, das Einhalten von Abständen und Massnahmen zur Handhygiene.


Pressestimmen
St.Galler Tagblatt, 23. Juni 2020
Hochparterre, 14. Mai 2020 
Modulor, 3. Mai 2020
Beobachter, 9. April 2020
Saiten, 22. November 2019


Mit grossem Dank für die Unterstützung: 

Clemens Waibel, Technik und Ausstellungsaufbau

Stadtprojektionen

Foto und Film im öffentlichen Raum

stadtprojektionen ist ein mehrteiliges Projekt von Anna Vetsch und Nina Keel, das zu neuen Blicken auf verschiedene Stadtteile von St.Gallen anregt: Foto- und stumme Filmarbeiten regionaler, nationaler und internationaler Kunstschaffender werden nachts auf Wände im öffentlichen Raum projiziert und führen so zu temporären visuellen Veränderungen im Stadtraum. Die sorgfältig auf die jeweilige Umgebung abgestimmten Projektionen sollen in den Tag nachwirken und zum Nachdenken über die Stadt – in Bezug auf ihre Geschichte und Gegenwart, auf architektonische, kulturelle und soziale Dimensionen – anregen. 

Unter den Künstler*innen, die an den vergangenen drei Ausgaben von stadtprojektionen teilgenommen haben, sind Jonas Dahlberg, Shirana Shahbazi, Uriel Orlow und Maya Rochat.

Die nächste Ausgabe von stadtprojektionen wird im September 2020 im St.Galler Bade- und Naherholungsgebiet Dreilinden stattfinden. Der Auftakt erfolgt bereits Ende August mit einer Projektionsnacht am See in Zürich.

www.stadtprojektionen.ch


Bauen in der Krise

Vortrag im Palace

Im Jahr 1940 gaben einige Architekten und Kunsthistoriker gemeinsam eine Mappe mit dem Titel 'Moderne Schweizer Architektur' heraus. Darin kommt ein einziger Bau aus der Stadt St.Gallen vor – ein Laubenganghaus von 1933 des in St.Gallen und Zürich tätig gewesenen Architekten Moritz Hauser. St.Gallen war in den 1930er Jahren wirtschaftlich und baulich nicht tonangebend. Im Rahmen der Reihe 'Unsere Freund_innen erklären uns ihre Ergebnisse' im Palace erläutert Nina Keel, was es dennoch gibt an St.Galler Bauten aus den 1930er Jahren.

Palace, Blumenbergplatz, St.Gallen
Dienstag, 18. Februar 2020, 20.15 Uhr




Vom Historismus zum Neuen Bauen

Führung für eine Schulklasse

Mitten in der Stickereikrise vollzog sich ein stilistischer Wechsel: St.Gallen fand von Jugendstil und opulentem Historismus zum Neuen Bauen mit seiner reduzierten Formensprache. 

Die Führung führte vom Kino Palace (1924) zum Wohn- und Geschäftshaus Brückenwaage (1933), schliesslich über die historistischen Kopfbauten am Brühltor (um 1900) zum Linsenbühl-Bau (1930-1933), einer kleinen Stadt in der Stadt. Thematisiert wurden städtebauliche Merkmale sowie soziale, wirtschaftliche und verkehrstechnische Hintergründe.

März 2020, Führung für eine Gymnasialklasse


Lachen im Licht

Nachtführung zu Lichtphänomenen

Ein nächtlicher Streifzug durch die Lachen führte zu verschiedenen Lichtphänomenen des St.Galler Quartiers. Im Fokus standen ebenso sehr die stadträumlichen Qualitäten als auch die Farbigkeiten und Funktionen, die von den Leuchtobjekten ausgehen.

Auftraggeber: Denkmalpflege Stadt St.Gallen (Europäische Tage des Denkmals)
Treffpunkt: Beim Platz vor der Kirche St.Otmar, Vonwilstrasse 10, St.Gallen
13. und 14. September 2019, jeweils um 20 Uhr, ca. 1 1/4 Stunden